WEINE MIT STIL

Weinleidenschaft #4 - Das Auge trinkt mit

Warum beginnt die Weinbeurteilung mit dem Anblick des Weines? Natürlich weiß man vom Anschauen alleine ja nicht, wie der Wein schmeckt. Aber die Farbe verrät schon so manches.

Ist ein Weisswein grünlich oder blassgelb, ist er vermutlich geschmacklich noch recht jung und frisch. Die Aromen werden noch sehr von der primären Frucht aus der Beere geprägt sein (Pfirsich, Annanas, Grapefruit, ...). Goldgelb kann ein Hinweis auf sehr reife Trauben und einen fülligen Weisswein sein. Bernsteinfarben sind dann eher schon gereifte Weine mit den typischen Reifearomen, z. B. Mandel oder Honigaromen beim Riesling. Ist ein Wein braun ("hochfrabig"), ist er wohl schon vom Sauerstoff oxidiert und hat seine besten Tage hinter sich gelassen.

Beim Rosé gibt uns z. B. die Farbe erste Hinweise auf die Rebsorte und für die Empfindsamen unter Ihnen auch einen Hinweis auf die im Wein sortenabhängig enthaltenen Gerbstoffe. Ein lachsfarbener Rosé stammt vermutlich aus einem Spätburgunder und hat aufgrund der geringen Farbtiefe auch weniger Gerbstoff. Die Farbe erinnert z. B. an Erdbeere und/oder Honigmelone. Spannend dann beim Riechen, ob sich diese Aromen dann auch wiederfinden. Kirschfarbene, pinke Rosé´s stammen in der Regel von farbintensiveren Rotweintrauben. Entsprechend finden sich dann oft auch Aromen von farbintensiveren roten Früchten.

Und schon kommen wir zum Rotwein. Gerade die Farbe schein für viele - ganz besonders bei deutschen Rotweinen - das Maß aller Dinge zu sein. Das ist aber eigentlich nicht richtig. So hat der Pinot Noir (Spätburgunder) irgendwann einmal seine violetten Reflexe bzw. diese Anthocyan-Gruppe verloren (Anthocyane sind die natürlichen Pflanzenfarbstoffe). Aber dennoch gehören Weine dieser Rebsorte zu den besten und teuersten Rotweinen der Welt. Die Farbe dieser Rebsorte soll gar nicht so dunkel sein, sondern eher eine mittlere Farbtiefe haben. Ein perfekter Pinot Noir ist in der Glasmitte rubinfarben und am Rand ziegelbraun. Das Rubinrot zeigt an, dass er noch lange nicht zu alt ist, aber der ziegelrote Rand zeigt an, dass er wohl eine perfekte Trinkreife hat. Purpur- oder tintenfarbene Rotweine deuten auf farbintensivere Rebsorten mit einem entsprechenden Gerbstoffgerüst hin.

Beim Sekt schauen wir auch noch auf die Perlage. Feine Perlen sind ein Zeichen von höherer Qualität des Sektes.

Wenn Sie nun noch das Glas behutsam schwenken, lauft nach dem Schwenken der Wein am Glas wider nach unten. Je nach der Dichte des Weines läuft er dünn wie Wasser am Glas entlang oder es formen sich "Tränen".  Die herabfliessenden Tränen sehen aus wie Kirchenfenster. Je geringer die Abstände zwischen den Tränen sind und je spitzer deren Form ist, umso alkohol- und extraktreicher ist der Wein. Ein hoher Restzuckergehalt wie z. B. bei einer Beerenauslese, verstärkt diesen Effekt. Alles ein Hinweis auf einen gehaltvolleren Wein.

So, und nun kommt der nächste Schritt, denn was wir sehen, möchten wir auch riechen!

Weiter geht es mit Weinleidenschaft #5 - Der Geruch des Weines.